Auf der Spur des Körpers – Wege zum Selbst

Ein Tag mit Raum und Zeit für die Begegnung mit dir selbst und anderen mit Astrid & Mike Peacock am Samstag, den 22.06.19 von 10:00 – 18:00 Uhr.

Ein Angebot, in kleiner Runde einmal innezuhalten und den ständigen Fluß von
Informationen und Reizen außen vor zu lassen. Ein Angebot, einen Resonanzraum zu schaffen für das eigene Sein und das unserer anwesenden
Mitmenschen. Etwas, was in der Endlosschleife der angeblichen Notwendigkeiten immer weniger Platz hat, und um so wichtiger wird zur
Orientierung und Verbindung mit sich selbst.
Unser Seminar basiert auf achtsamer Selbsterkundung und Methoden der Körperpsychotherapie.

Ein Angebot, in kleiner Runde einmal innezuhalten und den ständigen Fluß von Informationen und Reizen außen vor zu lassen. Ein Angebot, einen Resonanzraum zu schaffen für das eigene Sein und das unserer anwesenden Mitmenschen. Etwas, was in der Endlosschleife der angeblichen Notwendigkeiten immer weniger Platz hat, und um so wichtiger wird zur Orientierung und Verbindung mit sich selbst.
Unser Seminar basiert auf achtsamer Selbsterkundung und Methoden der Körperpsychotherapie.

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Die „Hakomi Methode“

In den 1970 er Jahren entwickelte der Körperpsychotherapeut Ron Kurtz seine Behandlungsmethode „Hakomi“, ein indianisches Wort mit der ungefähren Bedeutung von. “Wer bist du (denn), der, der du bist?“ oder auch: “Wie stehst du zu diesen vielen dich umgebenden Bereichen“.

Kurtz war beeinflußt von der Gestalttherapie (Perls), der Core-Energetik (Pierrakos), der Pesso-Körperarbeit und nicht zuletzt von der Feldenkrais-Methode. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal seiner Methode Hakomi aber war schon seit damals das Üben von „Achtsamkeit“, eine Disziplin, die er aus der buddhistischen Tradition übernahm und systematisch in seine Methode einbaute.

Es geht in der Hakomi-Methode grundlegend darum, beim Klienten die Fähigkeit zur Achtsamkeit aufzubauen und den Platz eines „inneren Beobachters“ zu entwickeln und einnehmen zu können. Von diesem Platz eines inneren Beobachters aus kann der Klient sein für ihn typischen Erleben bewußt erfahren und gleichzeitig aus einer gewissen Distanz heraus sehr genau beobachten. Der Therapeut begleitet den Klienten, er assistiert ihm bei dessen Selbsterforschung.

Die achtsamkeitszentrierte, wohlwollende Selbsterforschung der Muster seiner Selbstorganisation ermöglicht es dem Klienten, sich von seinen Gedanken zu disidentifizieren. Die Muster, die das Verhalten prägen und bestimmen werden als solche erkennbar und verlieren die Macht ihrer Selbstverständlichkeit: „Du mußt nicht alles glauben, was du denkst“ ist eine befreiende Erfahrung.

Hakomi orientiert sich an der Erfahrung im gegenwärtigen Moment. Jede gegenwärtige Erfahrung beruht auf lebensgeschichtlich vorhergehenden Erfahrungen, die sich natürlicherweise zu Mustern und „Glaubenssätzen“ (So ist das Leben. So bin ich.) geformt haben und das (Er-) Leben nun möglicherweise einschränken oder behindern. Veränderungsprozesse gestalten sich über „korrigierende Erfahrungen“, die in der Therapie wiederholt ermöglicht werden. Korrigierende Erfahrungen sind solche, die in der Lebensgeschichte bisher gefehlt haben und die den Absolutheitsanspruch von gefundenen eigenen Lösungen und „Glaubenssätzen“ aufheben. Glaubenssätze können reformuliert werden (Auch so ist das Leben. Auch so kann ich sein.)

Hakomi-Therapie ist körperbezogen. Der Körper wird als Zugangsweg zu den Inhalten des impliziten Gedächtnisses (des un-bewußten) genutzt. Auch kleine Bewegungen und Impulse, Veränderungen der Körperhaltung und aufkommende Empfindungen werden bewußt gemacht und gemeinsam achtsam erforscht. Dabei folgt der Therapeut dem Prozeß des Klienten und bleibt dabei ergebnisoffen, primär nicht lösungsorientiert.

Der bedeutendste Wirkfaktor ist in der Hakomi-Methode, wie in jeder Psychotherapie, die therapeutische Beziehung .Diese wird bei Hakomi in besonderer Weise bewußt genutzt. Sie kann als wohlwollendes, nicht beurteilendes unbedingtes Willkommen heißen des Klienten beschrieben werden. Sie gestaltet ein sicheres, würdigendes Umfeld, das zur Erforschung ängstigender und abgelehnter Persönlichkeitsanteile unerläßlich ist und ermöglicht so erst das Erleben von Akzeptanz als korrigierender Erfahrung.

In der von Kommeda-Lutz et al 2006 durchgeführten großen Wirksamkeitsstudie körperpsychotherapeutischer Verfahren wurde auch die Hakomi-Methode in ihrer Wirksamkeit erforscht. Diese konnte nachgewiesen werden bei:
Affektiven Störungen (neurotischen Depressionen), Angststörungen, Anpassungsstörungen, leichten Persönlichkeitsstörungen und interpersonellen Störungen. Insgesamt kann die Hakomi-Methode stützend und Struktur bildend angewandt und andererseits auch aufdeckend eingesetzt werden.

Zum Verständnis des Begriffs „Achtsamkeit“ in der Hakomi-Therapie

Grundlegend, sozusagen die Bodenplatte des Hauses der Achtsamkeit, ist die Akzeptanz. Sie ist eine der wichtigsten Wirkfaktoren nicht nur in der Hakomi-Therapie (vgl. Carl Rogers Gesprächs-Psychotherapie). Im Rahmen von Achtsamkeitspraxis wird jedes Fühlen und Denken des Klienten zuallererst wohlwollend, „radikal“ willkommen geheißen. Allein die Einübung dieser Haltung auch durch den Klienten in Bezug auf sich selbst und nach außen hat schon transformatorische Wirkung, d.h. sie schafft eine Veränderung in seinem Selbst- und Weltbezug.

Gründe:

Wir befinden uns in unserem alltäglichen, „normalen“ Leben in einem Zustand, den man mit Jon Kabat-Zinn als „Autopiloten-Modus“ bezeichnen könnte. Wie beim Fahrrad-oder Autofahren reagieren wir auf Reize automatisch, halten uns automatisch im Gleichgewicht, mit eingeschliffenen Verhaltens- und Denkmustern, ohne uns dessen bewußt zu sein. Was bei den genannten Beispielen sehr wertvoll ist und uns spontan (meistens) angemessen reagieren läßt (denn wir würden nicht weit kommen, wenn wir hier jede Aktion zuerst bedenken, beurteilen und zeitaufwendig entscheiden müßten), legt uns auch in der Begegnung mit anderen und in unserem gesamten Lebensgefühl auf erprobte, eingeschliffene Muster fest. Achtsamkeitspraxis fördert und erfordert demgegenüber eine Haltung, die sich recht gut mit dem Wort „Anfängergeist“ beschreiben läßt (ein Begriff aus dem Zen-Buddhismus). Anfängergeist meint eine Haltung, die Dinge so zu betrachten als würden sie zum ersten Mal wahrgenommen, – unvoreingenommen, offen und im besten Sinne neugierig. Andere, neue Perspektiven, Verhaltensmöglichkeiten, tauchen auf, es ist eine Ent-Deckung dessen, was man immer für selbstverständlich hielt.

Dazu bedarf es eines „inneren Beobachters“, einer inneren Instanz, die sich im Rahmen der Achtsamkeitspraxis durch konsequentes, wiederholtes Einnehmen der Beobachterhaltung entwickeln läßt. Dem steht entgegen, daß sich der menschliche Geist allzu leicht durch jedweden Reiz ablenken läßt. Unsere Aufmerksamkeit springt von Gedanke zu Gedanke wie eine Affenherde von Baum zu Baum, von Frucht zu Frucht, und verweilt nie lange genug bei etwas, um es ganz auszukosten (in der buddhistischen Terminologie: monkey-mind). Dennoch läßt es sich erreichen, durch Übung das „Hintergrundrauschen“ unseres Denkens soweit zu verringern, daß darunter verdeckte „Töne“, Stimmungen, Gefühle wahrnehmbar werden.

Dieser Prozeß führt zur Unterscheidung des Wahrnehmenden vom Wahrgenommenen, des Beobachters vom Beobachteten. Wir gelangen von „Ich bin wütend“ zu „ich beobachte, wo und wie ich wütend-sein spüre“. Damit bin ich nicht mehr total mit der Wut identifiziert, die Wut macht mich nicht mehr ganz aus, es gibt da noch etwas anderes: den inneren Beobachter. Dies eben ist mit „Disidentifikation“ gemeint. Sie ist ein wesentlicher Wirkfaktor der Achtsamkeitspraxis und damit wesentlicher Teil der Persönlichkeitsentwicklung.